Der demografische Wandel stellt Unternehmen in der Schweiz vor neue Herausforderungen. Während viele Menschen mit 65 Jahren in Pension gehen, fühlen sich die meisten noch fit, aktiv und leistungsfähig. Viele der sogenannten Silver Ager können sich vorstellen, auch nach der Pensionierung weiterzuarbeiten. Doch negative Altersstereotype und fehlende Informationen erschweren den Weg dorthin. Hier setzt Silver Bridge an: Mit ihrer webbasierten Plattform schliesst das Unternehmen die Lücke zwischen dem Potenzial dieser Fachkräfte und den fehlenden Unternehmensstrukturen.
Hintergrund
Silver Bridge ist ein Projekt von HR ConScience, das im Kontext der Metropolitankonferenz Zürich entwickelt und ausgewählt wurde, um den demografischen Wandel in der Arbeitswelt besser zu verstehen, einzuordnen und zu bewältigen. Die Grundidee des Projektes: Die Gruppe der über 60-Jährigen, oft als «Silver Society» oder «Silver Ager» bezeichnet, wächst stetig. Viele dieser Menschen fühlen sich beim Erreichen des Pensionsalters von 65 Jahren noch fit, aktiv und könnten sich eine Weiterbeschäftigung oder ein weiterführendes Engagement über die reguläre Pensionierung hinaus vorstellen.
Trotz dieses Potenzials fehlen häufig die erforderlichen Strukturen und Ressourcen, um diese erfahrenen Fachkräfte erfolgreich in den Arbeitsmarkt oder in neue Formen der beruflichen Tätigkeit zu integrieren. Unternehmen erkennen zwar das Potential, doch der Weg zur Umsetzung passender Modelle ist oft unklar. Silver Bridge wurde ins Leben gerufen, um genau diese Lücke zu schliessen und sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen Unterstützung in diesen Überlegungen zu bieten. Das Ziel ist eine Win-Win-Situation: Für die Silver Ager, die ihre Erfahrung und ihr Wissen weiterhin einbringen möchten, und für die Schweizer Wirtschaft, die von diesem wertvollen personellen Potenzial profitieren kann.
Video: Age Innovation Prize 2024
So funktioniert es
Silver Bridge ist eine webbasierte Plattform, die drei wichtige Funktionen miteinander verbindet: eine persönliche Standortbestimmung, umfassende Informationen zu möglichen Arbeitsmodellen und Perspektiven nach der Pensionierung sowie ein Selbstassessment für Unternehmen.
Das Herzstück der Plattform ist ein Selbsttest für Silver Ager, welche kurz vor oder nach der Pensionierung stehen, der zur Reflexion anregt und vier zentrale Bereiche anspricht, die für eine Weiterbeschäftigung im Pensionsalter relevant sind:
- Rollen und Selbstverständnis: Wie verändern sich die eigenen Rollen durch die Pensionierung? Welches Selbstverständnis prägt die neue Lebensphase?
- Persönliche Motivation: Warum möchte ich weiterarbeiten? Geht es um finanzielle Aspekte, soziale Kontakte, Sinnstiftung oder die Weitergabe von Wissen?
- Praktische Rahmenbedingungen: Welche Arbeitsmodelle passen zu meiner Lebenssituation? Wie viel Flexibilität benötige ich?
- Flexibilität: Welche Flexibilitätsbereitschaft habe ich für eine Weiterarbeit über das Pensionsalter hinaus?

Der Test ist so konzipiert, dass er selbständig durchgeführt werden kann. Nach Beantwortung der Fragen erhalten die Nutzenden ein persönliches Standortbestimmungs-Profil, das die Resultate zusammenfasst.
Informationen zu Arbeitsmodellen und Perspektiven
Neben dem Selbsttest bietet Silver Bridge eine Fülle an Informationen zu verschiedenen Optionen der Weiterbeschäftigung an. Einerseits werden Fragen im klassischen Frage/Antworte Stil beantwortet. Andererseits werden verschiedene Ausgangslagen von Menschen in Kurzportraits und -interviews von skizziert. Darin erzählen sie von ihren persönlichen Überlegungen, Optionen und Erfahrungen am Ende ihrer beruflichen Laufbahn. Nicht alle Texte stammen jedoch von existierenden Menschen, sondern es wurden auch sogenannte Personas (fiktive, aber sehr detaillierte Steckbriefe von typischen Nutzern oder Kunden) verwendet – dies ist bei den betroffenen Texten am Ende jeweils korrekt vermerkt. Hier finden sich Geschichten von klassischen Teilzeitmodellen über projektbasierte Zusammenarbeit bis hin zu Mentoring-Rollen – die Möglichkeiten einer Beschäftigung über das Referenzalter hinaus sind vielfältig und dienen auch als Denkanstoss.
Für wen ist Silver Bridge geeignet?

Die Lösung richtet sich an zwei zentrale Zielgruppen:
- Silver Ager (Personen über 60 Jahre): Diejenigen, die sich fragen, ob, warum und wie sie sich nach der Pensionierung weiter einbringen möchten.
- Schweizer Unternehmen und Organisationen: Arbeitgeber, die das Potenzial ihrer pensionierten Mitarbeitenden erkennen und nutzen möchten, aber noch nach den passenden Modellen und der notwendigen Struktur suchen.
Für Unternehmen dient die Plattform als Informationsquelle und Inspiration, um sich mit den Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung auseinanderzusetzen. Sie können dort Informationen zu Best Practices, wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fakten finden, um evidenzbasierte Entscheidungen für ihr strategisches Personalmanagement in Bezug auf ältere Mitarbeitende zu treffen. Mithilfe des «Reifegradtest für Unternehmen» und der bereitgestellten Informationen können HR-Abteilungen Silver Bridge als unterstützendes Werkzeug in ihre Personalstrategien sowie Pensionierungs- und Nachfolgeplanungsgespräche integrieren.
Business Model
Mit Silver Bridge betreibt HR ConScience eine Plattform, die Unternehmen und Individuen auf die Chancen von Arbeiten im Alter aufmerksam macht. Während die Plattform für Individuen frei zugänglich ist und dies auch bleiben soll, dient sie Unternehmen als Einstiegspunkt in das Thema und macht den Mehrwert einer altersfreundlichen Arbeitswelt sichtbar. Das Geschäftsmodell basiert darauf, Firmen für die Relevanz der Beschäftigung von Silver Agers zu sensibilisieren und ihnen bei Bedarf gezielte Beratungsleistungen anzubieten.
HR ConScience unterstützt Unternehmen dabei, konkrete Lösungen zu entwickeln – etwa neue Rollenmodelle, flexible Einsatzformen oder Übergangskonzepte für Silver Ager. Silver Bridge wirkt damit als Türöffner für weitergehende Beratung, Diagnostik und Projekte rund um das Thema Arbeiten über das Pensionsalter hinaus.
Datenschutz
Füllt man den Selbsttest auf der Webseite aus, werden viele persönliche Angaben abgefragt, welche für die Auswertung verwendet werden. Gemäss den Webseitenbetreiberinnen werden diese Angaben jedoch nur in einer temporären Session gespeichert. Nach Abschluss des Selbsttestes oder dem Schliessen des Browserfensters werden diese Daten automatisch gelöscht. Ein erneuter Aufruf der eingegebenen Daten oder der generierten Auswertung ist danach nicht mehr möglich – ausser man hat die Auswertung manuell als PDF exportiert und heruntergeladen. Hier sind allerdings in naher Zukunft Änderungen geplant. Die Betreiberinnen von Silver Bridge möchten mit dem Einverständnis der Webseiten-BesucherInnen Daten erheben, um einen Forschungsbeitrag zu diesem Thema zu leisten.
Gesamteindruck
Das Projekt Silver Bridge ist in der heutigen Zeit ausserordentlich relevant. Es adressiert ein zentrales gesellschaftliches und wirtschaftliches Thema in der Schweiz, nämlich die Nutzung des sogennanten «Silver Human Capital».
Mit dieser Meinung stehen wir nicht alleine, denn HR ConScience hat mit der Projektidee sich an der öffentlichen Ausschreibung der Metropolitankonferenz Zürich von insgesamt 25 eingereichten Projektideen neben drei weiteren Projekten durchgesetzt und war auch einer der Gewinnerinnen am Age Innovation Prize im Jahr 2024.
Der demografische Wandel ist keine abstrakte Zukunftsvision, sondern bereits heute Realität. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu finden und zu halten. Gleichzeitig gehen erfahrene Mitarbeitende in Pension, obwohl sie noch Jahre produktiv und engagiert arbeiten könnten.
Das Problem liegt oft nicht am Willen, sondern an fehlenden Strukturen und Informationen. Altersstereotypen führen dazu, dass sowohl ältere Arbeitnehmende als auch Unternehmen das Potenzial einer Weiterbeschäftigung unterschätzen. Silver Bridge wirkt hier als Aufklärer und Wegbereiter.
Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel für die Vielfalt von AgeTech-Anwendungen. Die Lösung nutzt eine digitale Plattform, um ein komplexes soziales und arbeitsmarktpolitisches Problem zu lösen. Sie fungiert als „digitaler Katalysator” für den Austausch zwischen den Generationen und dem Arbeitsmarkt.

