Senopi AG ist ein 2019 gegründetes Schweizer MedTech-Start-up, welches aus dem ehemaligen Ricola Innovationslabor Ricolab hervorgegangen ist. Ihr erstes Produkt, SenopiCare, ermöglicht Menschen in Pflegeeinrichtungen virtuelle Reisen zu erleben. Mit den neusten Geräten und der SenopiMed Software lassen sich gleichzeitig auch Therapien zum Erhalt oder der Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten durchführen.

Hintergründe

Die Idee von SenopiVR ist im Jahr 2018 im ehemaligen Ricola Innovationslabor entstanden. Damals suchte man nach Möglichkeiten, allen Menschen das Reisen in die tollen Schweizer Berge – und damit zum Ursprung der Ricola Kräuter – zu ermöglichen. Sie machten sich dabei die zunehmende Massentauglichkeit von VR-Headsets zu nutze.

Aus dieser Ursprungsidee «Virtuelle Exkursionen in die Berge» hat sich SenopiCare, eine VR Lösung für Pflegeeinrichtungen entwickelt. Diese ermöglicht es Bewohnern von Pflegeeinrichtungen, virtuelle Exkursionen zu machen und dabei vertraute Landschaften erneut zu besuchen oder etwas Neues zu entdecken. Das Produkt wird in der Regel in Gruppen genutzt, wobei die Bewohner die Exkursionen gemeinsam machen. Dadurch kommt es im Anschluss an diese Erfahrungen häufig zu lebhaften Gesprächen.

Das folgende Video zeigt, wie SenopiCare aus der Sicht des Pflegepersonals funktioniert und wie es von den Bewohnern im Rahmen der Aktivierungsübungen angenommen wird.

SenopiMed

Aufgrund der anregenden Eigenschaften von VR-Welten sowie der leichten Bedienbarkeit erschlossen sich Möglichkeiten, die bestehende Lösung hinzu einer interaktiven therapeutischen Lösung für kognitive Therapien für Senioren weiterzuentwickeln. Dieses therapeutische Produkt (SenopiMed) wurde gemeinsam mit Ärzten und Therapeuten entwickelt und in zahlreichen Usability-Studien getestet. Seit April 2022 läuft eine klinische Studie dazu.

So funktioniert es

Kognitive Therapien haben einige Vorteile. Es ist für die Personen etwas Neues, ein Erlebnis, unterhaltsam und zugleich lassen sich kognitive Entwicklungen einfach dokumentieren. Weiter stellt sich der Schwierigkeitsgrad automatisch auf die individuellen Fähigkeiten der Personen ein.

Eine Therapiesession läuft in etwa wie folgt ab:

Die betreuende Person startet auf dem PC/Tablet/Smartphone die Sitzung für den Bewohner bzw. die Bewohnerin der Pflegestätte. Alle Bewohner haben ihren eigenen Benutzeraccount, wodurch ihr Leistungsniveau und Fortschritt gespeichert wird. Es folgen vier Übungen an je drei Minuten, welche drei Mal die Woche wiederholt werden. Die Performance der Benutzer kann auf der Web-App eingesehen werden, womit die Leistungen über die Zeit dokumentiert sind und man allfällige Veränderungen schnell erkennen könnte. Weiter fällt auf, dass die Trainings teilweise häufiger gemacht werden, weil es den Bewohnern Spass macht und eine willkommene Abwechslung im Tagesablauf ist.

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VR-Brille

Senopi verwendet für seine Lösungen die VR-Brille PICO, ein Mitbewerberprodukt der Oculus-Brille von Meta. Der Grund dafür ist, dass die Brille wesentlich entwicklerfreundlicher ist und nicht an Facebook-Konten gebunden ist und somit auch datenschutzfreundlicher ist.

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Wissenschaft

SenopiMed wurde mit Hilfe von Wissenschaftlern entwickelt und vor zu getestet. Es wird derzeit in einer klinischen Studie (n=130) validiert und darauffolgend sind weitere Studien geplant. Mit einer Gruppe von Kognitionstherapeuten, Ergotherapeuten und Neuropsychologen wurden im Jahr 2021 auch Usability-Workshops durchgeführt. Momentan laufen weitere Usability-Studien mit Senioren >65-Jahren.

Wissenschaftliche Arbeiten der letzten Jahre gingen auf die Forschung und die Effekte von VR im Rahmen von kognitiven Übungen ein. Sie kommen zur Erkenntnis, dass VR-basierte Übungen die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern können bzw. dass positive Auswirkungen auf die globale Kognition, Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Lernen und Gedächtnis beobachtet werden konnten.

Gesamteindruck

SenopiVR hat uns mit der für uns unerwarteten Entstehungsgeschichte aus dem Ricolab und mit der Nutzung moderner VR-Technologie von Anbeginn fasziniert. Nichtsdestotrotz konnten wir uns zu Beginn nicht dem Gedanken erwehren, dass damit ältere Personen in Pflegeeinrichtungen ruhiggestellt werden sollen. Ganz ähnlich, wie dies manche Eltern mit Ihren Kindern und Fernsehen machen. Bei der Auseinandersetzung mit dem Produkt und im Austausch mit den verantwortlichen Personen bei SenopiVR verflogen diese Gedanken dann jedoch sehr schnell wieder. Wir haben gelernt, dass VR-basierte Therapieeinheiten in Gruppen sehr gezielt eingesetzt werden und dass der Umgang mit dieser Technologie Abwechslung und Freude in den Alltag der Bewohner und Bewohnerinnen von Pflegeeinrichtungen bringt. Zudem regt das gemeinsam Erlebte im Nachgang zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch an und sorgt für viel Gesprächsstoff. Dass dabei gleichzeitig passiv positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit und das Gedächtnis vorkommen können spricht natürlich für das Produkt.